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FRANKREICH

Alois Brunner starb 2001 im syrischen Gefängnis

12. Januar 2017
Bericht zweier französischer Journalisten.
Undatiertes Foto des nationalsozialistischen Kriegsverbrechers Alois Brunner [Keystone]

Alois Brunner, ein österreichischer SS-Offizier, der verantwortlich gemacht wird für die Deportation von 125500 europäische Juden in Nazi-Todeslager, starb 2001 in einer syrischen Gefängniszelle. Das geht aus einem in Frankreich publizierten Bericht der zwei Journalisten Hedi Aouidj und Mathieu Palain im Quartalsmagazin «XVI» hervor. Bis jetzt hatte die Meinung vorgeherrscht, dass Brunner, die rechte Hand von Adolf Eichmann, rund um 2010 in Damaskus gestorben ist. Dorthin war nach Angaben führender Nazi-Jäger 1954 geflohen und hatte unter dem Schutz der syrischen Regierung gelebt. Die beiden Journalisten erklärten nun aber in dem Magazin, gemäss Informationen von dreier seiner Leibwächter sei Brunner kurz nach dem 2000 erfolgten Tod des damaligen Präsidenten Hafez el-Assad gestorben. In einem Interview am staatlichen französischen Radio sagte Aouidj, Brunner sei effektiv ein Angestellter der syrischen Führung gewesen und habe die obere Schicht des Personals der dortigen Geheimdienste trainiert. «Er bildete Assads innersten Kreis aus, er erhielt ein Salär vom Regime in Damaskus, er wurde vom syrischen Regime eingekleidet und untergebracht», sagte Aouidj. Die Situation des Nazis verschlechterte sich aber wesentlich nach dem Tod von Vater Assad, als sein Sohn Bashar sich im Juli 2000 an dessen Stelle setzte. Brunner wurde in einer Zelle festgehalten und starb schliesslich unter schlechtesten Bedingungen. Damals hatte es noch geheissen, man habe Brunner 2003 lebend in Damaskus gesehen. Efraim Zuroff, Leiter des Simon-Wiesenthal-Zentrums in Israel, erklärte 2014 gegenüber Reuters, Brunner sei angeblich 2010 in Damaskus gestorben, doch konnte das Zentrum seinen Tod nie forensisch verifizieren. Brunner war im Abwesenheitsverfahren 1954 in Frankreich wegen Verbrechen gegen die Menschheit zum Tode verurteilt worden. Bei zwei Mordversuchen mit Briefbomben – angeblich die Arbeit israelischer Agenten - hatte er einige Finger und ein Auge verloren. [TA]


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