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ISRAEL

Ein Pausenimbiss für Israel

Ofer Aderet
, 10. November 2017
Efraim Saadon hat einen israelischen Snack erfunden, der unter dem Namen «Bissli» die Welt eroberte – Einblicke in ein bewegtes Leben
Efraim Saadon ist kurz vor seinem 
94. Geburtstag verstorben.

Erst im Alter von 92 Jahren enthüllte Efraim Saadon die würzigsten Details seine Lebens. Saadon, der 40 Jahre lang für die heute von Nestlé kontrollierte Lebensmittelfirma Osem arbeitete, verriet, dass er die Person gewesen sei, die den «Bissli»-Snack «erfunden» hatte, ein Favorit unter den israelischen Knabberspezialitäten.

Innovation im Snack-Geschäft

1975, als Bissli erstmals in den Läden zum Verkauf offeriert wurde, schrieben die Zeitungen: «Diese Snacks sind das Ergebnis der unabhängigen und originellen technologischen Entwicklungen von Osem. Sie sind eine Innovation für die Snack-Familie in Israel und auf der ganzen Welt.»

Saadon war damals ein hochrangiger Produktionsmanager bei der Osem-Fabrik in Bnei Brak, wo Pasta-Produkte hergestellt wurden. «Sie brachten eine neue Bratmaschine in die Fabrik, die nicht geeignet war für die existierende Produktionslinie», erinnerte sich Saadon in einem Interview. «Plötzlich hatte ich eine Idee. Ich warf etwas Pasta in die Maschine und glaubte, etwas Neues zu kreieren. Zuerst war es nicht geniessbar, doch jedermann sah, dass es Potenzial hatte.»

Firmenbesitzer Dan Propper fuhr fort, das neue Produkt zu entwickeln. Sie fügten Gewürze und pikante Mischungen hinzu und fanden heraus, dass es gut schmeckte. In einer nächsten Phase mussten die Messer der Maschine laut Saadon an verschiedene Arten von Pasta angepasst werden: Runde für Produkte mit Zwiebelgeschmack, spiralförmige für Barbeque und so weiter. Heute wird Bissli in vielen Geschmacksarten hergestellt, doch Saadons persönlicher Favorit wurde nie in Massen produziert: «Ich pflegte eine Handvoll Bissli direkt von der Produktionslinie zu nehmen, heiss und flockig, ohne Gewürze. Ich ging ins Büro und gab Zucker dazu. Das ist mein Favorit.»

Harte Kindheit

Saadon kam 1924 im libyschen Benghazi zur Welt. Seine Familienmitglieder waren Textilhändler, deren Wurzeln bis zur Vertreibung aus Spanien 1492 zurückreichten. Er war das Jüngste von sechs Kindern, doch einige andere starben als Kleinkinder. Sein Vater Eliyahu verschied vor seiner Geburt. Seine Mutter Speratza zog ihn alleine gross. Die Familie sagt, dass sein Bruder Shimon ein Schneider war, der Kleider für Mussolini und den ägyptischen König Farouk genäht hatte.

Während des Zweiten Weltkriegs unter dem mit Nazideutschland kooperierenden Italien litten auch die libyschen Juden. Saadon sagte oft, dass er sich jede Woche ins lokale Büro des Propagandaministeriums eingeschlichen hatte, wo Neuigkeiten aus aller Welt an der Wand befestigt waren. So fand er Poster, auf denen Adolf Hitler und Hajj Aminb al-Husseini, der Mufti von Jerusalem, mit einer Schlagzeile auf italienisch erschienen: «Hitler ersucht, sicherzustellen, dass der Traum von Palästina nicht in die Tat umgesetzt wird.»

Saadon und seine Mutter gehörten zu den Tausenden von Juden, die von den Italienern aus Libyen ins Konzentrationslager Jadu im westlichen Libyen deportiert worden sind, wo Hunderte von Menschen an Krankheiten starben. «Wir reisten drei Tage lang 1200 Kilometer in Lastwagen wie Schafe», sagte er. «Das Leiden war unbeschreiblich.» Seine Schwester Esther, die in Tripoli lebte, verlor in einem Bombenangriff ihren Gatten und sieben Kinder.

Werdegang in Israel

Nach dem Krieg ging er nach Italien, und 1949 machte er Alija nach Israel. Dort wurde er direkt ins Flüchtlingslager in Beer Yaacov geschickt. Weil er italienisch sprach, wurde er zur Arbeit bei Osem geschickt, die in Italien hergestellte Maschinen gekauft hatte. Er begann seine Arbeit 1950 an der Produktionslinie, und er war aktiv in der Gewerkschaft der Firma.

In den frühen Tagen, als Bnei Brak noch keine ultraorthodoxe Festung war, lebte er dort. Während der Jahre, als die charedische Bevölkerung der Stadt wuchs, leitete Saadon eine säkulare Protestbewegung, die sogar an das Oberste Gericht gelangte, weshalb seine Nachbarn ihn verfolgten. Schliesslich zog er nach Givatajim um.

Saadon starb am 21. Oktober, kurz vor seinem 94. Geburtstag. Er hinterlässt seine Frau Rina, vier Kinder, Enkelkinder und Urenkel. 





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