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ITALIEN

Fussball-Lieder über Juden laut Richter keine Hassreden

16. Februar 2017
Verärgerte Reaktionen von jüdischer Seite.

Ein italienischer Richter hat befunden, es sei keine Hassrede, wenn Fussballfans einen Slogan singen, in dem das Wort «Juden» vorkomme. Dieser Entscheid hat ärgerliche Reaktionen von jüdischer Seite provoziert. In einem Brief an den italienischen Justizminister Andrea Orlando nannte Ruth Dureghello, die Präsidentin der jüdischen Gemeinde von Rom, das Urteil eine «zweifelsohne alarmierenden Präzedenzfall für die Justiz in Italien», der im Wesentlichen die Benutzung des Adjektivs «Jude» in einer verächtlich machenden und rassistischen Form legitimiere und in jedem Fall ein Instrument zur Verspottung während eines Sportanlasses sei. Orlando wurde von den Medien dahingehend zitiert, dass er die Sache genauer anschauen wolle. Noemi Di Segni, Präsidentin des italienisch-jüdischen Gemeindebundes, adressierte einen gesonderten Protest an die italienischen Fussballbehörden. Der Fall geht zurück auf März 2013, als zwei Fans des Fussballteams Lazio während eines Spiels gegen Catania gefilmt wurden, wie sie ein Lied über den «giallorosso ebreo» sangen, also über den «gelb-roten Juden», offensichtlich eine Verspottung von Catania. Das Lied bezieht sich auf Lazios Erzrivalen Roma, dessen Teamfarben eben gelb-rot sind. In seiner Urteilsbegründung sprach der Richter die Beiden der Aufhetzung und des Rassenhasses frei. Mit dem Begriff «giallorosso ebreo» habe man nur «das gegnerische Team lächerlich machen wollen». Militante Lazio-Fans sind berüchtigt für antisemitisches und rassistisches Benehmen. [TA]





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