logo
FRANKREICH

Juden erbost über fehlenden Hinweis auf Hassverbrechen

17. Juli 2017
Mörder warf jüdische Nachbarin aus dem Fenster.

Starke Kritik übten Aktivisten der französischen Judenheit am Fehlen jeglichen Hinweises in der Anklageschrift gegen einen Mann aus Paris, der seine jüdische Nachbarin ermordet hatte, wobei er Schreie über Allah ausstiess. Das Crif, die Dachorganisation der jüdischen Gemeinden in Frankreich, gebrauchte eine unüblich harsche Sprache bei ihrer Kritik an der von der Staatsanwaltschaft verfassten Anklageschrift gegen Kobili Traore, der gestanden hatte, am 4. April die 66jährige Sarah Halimi getötet und ihren Körper aus einem Fenster im dritten Stockwerk des Hauses geworfen hatte. «Das Crif ist erstaunt», liest man in der Verlautbarung der Dachorganisation, «dass der antisemitische Charakter des Mordes übergangen worden ist.» Das Crif warf den Behörden vor, die Ermordung von Frau Halimi vertuscht und zusammen mit den wichtigsten Medien totgeschwiegen zu haben. – Traore, 27, der keine Geschichte einer geistigen Krankheit hat, war zuerst wegen seines Hinweises auf Unzurechnungsfähigkeit in einem psychiatrischen Institut hospitalisiert gewesen. Er wusste, dass Frau Halimi, eine Ärztin und Kindergärtnerin, jüdisch war. Vor zwei Jahren titulierte er ihre Tochter im Lift eine «dreckige Jüdin». Nach der Anklage deponierte Brigitte Kuster, eine Abgeordnete für die Republikaner im französischen Unterhaus, eine kritische Anfrage an Innenminister Gérard Collomb. Halimi, so schrieb sie, sei von einer Person gequält und getötet worden, der vorsätzliche antisemitische Absichten hatte, die als Beweise dienten, auch wenn das Rechtswesen sie bis jetzt ignoriert habe. Sie verlangte vom Minister eine Stellungsnahme und eine Bestätigung der vermuteten antisemitischen Natur des Verbrechens. [TA]





» zurück zur Auswahl