logo
SCHWEDEN

Nazi-Marsch bei Synagoge an Jom Kippur?

13. September 2017
Juden besorgt wegen Hetze und physischen Drohungen.

Juden in der west-schwedischen Stadt Göteborg bereiten sich auf einen Marsch von Neo-Nazis vor, der ausgerechnet an Jom Kippur (30. September) ganz in der Nähe der Hauptsynagoge der Stadt vorbeiführen soll. Gemeindeaktivisten wollen den Polizeibeschluss anfechten, der der Nordischen Widestandsbewegung gestatten würden, ihren Marsch während der Göteborger Buchmesse durchzuführen, wenn rund 100’000 Menschen sich in der Stadt zum grössten literarischen Festival in Skandinavien versammeln werden. Die Polizei hatte das ursprüngliche Ersuchen der rechtsextremen Gruppe zurückgewiesen, auf den Hauptstrassen dieser zweitgrössten Stadt Schwedens zu marschieren. Die offerierte Alternative würde die Marschierenden nur etwa 60 Meter von der Göteborger Synagoge vorbeiführen, und das am Jom-Kippur, dem heiligsten Tag im jüdischen Kalender. Mitglieder der ohnehin stark bewachten jüdischen Gemeinde sind besorgt über die Hetze und physischen Bedrohungen seitens der Marschierenden, sagte Gemeindepräsident Allan Stutzinsky. Zum Synagogenkomplex gehört auch ein Gemeindezentrum. «Die Gefahr für uns ist immer gross, und sie wird noch grosser, wenn sie marschieren», sagte Stutzinsky. Auch linksgerichtete Demonstranten könnten den Juden gefährlich werden. Der Göteborger Polizeichef Erik Nord sagte, wer marschieren will, habe das Recht dazu, aber wer sich in Aufhetze engagiere, würde festgenommen. Die Anti-Diffamationsliga ADL bedrängte Schweden, sicherzustellen, dass die Route des Neo-Nazi-Marsches weit entfernt sei von der Synagoge. Stutzinskz betont, dass der geplante Marsch kein isolierter Zwischenfall sei. «Man hätte geglaubt, dass der Zweite Weltkrieg eine wirkungsvolle Impfung gegen den Antisemitismus sei, doch das hielt nicht lange. Jetzt ist er wieder zurückgekehrt.» [TA]





» zurück zur Auswahl