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DEUTSCHLAND-ISRAEL

Protest gegen Absage an der Akademie Tutzing

20. April 2017
Am 12. April hat die Evangelische Akademie Tutzing eine auf Mitte Mai angesetzte Tagung über « Israelisch-palästinensische Friedensgruppen» kurzfristig abgesagt. Nun protestieren Teilnehmer dagegen in einem Brief.

Seit Jahrzehnten hoch angesehen als Tagungsort, hat die Evangelische Akademie Tutzing in Kooperation mit der Evangelischen Stadtakademie München und der Petra Kelly Stiftung für den 12.-14. Mai ein Symposium zu dem Thema «Nahostpolitik im Spannungsdreieck. Israelisch-palästinensische Friedensgruppen als Lernorte für deutsche Politik?» geplant. Als Teilnehmer waren Israeli und Palästinenser, sowie deutsche Politiker, Journalisten und Intellektuelle eingeladen. Angefangen bei der Autorin Lizzi Doron, sowie dem Historiker Moshe Zimmermann und dem Politiker Avraham Burg sind die Teilnehmer hochkarätig – aber vorwiegend bekannt als Kritiker der israelischen Besetzung des Westjordanlands. 

Doch am 12. April gab Akademie-Direktor Udo Hahn bekannt: «Wir haben uns jetzt entschieden, diese Tagung zu verschieben, da es uns nicht gelungen ist, alle für das Thema massgeblichen Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner in angemessener Zahl zu gewinnen. Wir werden das Thema zu gegebener Zeit wieder aufgreifen.»

Dagegen haben Professor Zimmermann und die übrigenTeilnehmer nun in einem Brief an die Akademie protestiert, der tachles vorliegt. Darin heisst es, die Tagung sei laut der Akademie «nach schwierigen Diskussionen und heftiger Kritik verschoben» worden. Zimmermann weisst die Begründung fehlender «Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner» mit dem Hinweis zurück, das Programm habe bereits im Februar festgestanden und fragt, von wem die Kritik gekommen sei «und vor allem, warum diese späte Kritik zur Stornierung der Tagung führen konnte. Es ist anzunehmen, dass es sich hier um einen weiteren Versuch handelt, die kritischen Stimmen aus dem Nahen Osten auch in Deutschland zum Schweigen zu bringen.»

Zimmermann gibt der Überzeugung der Teilnehmer Ausdruck, nur ein israelisch-palästinensischer Dialog könne zu der Einsicht führen «dass wir auf Zusammenarbeit angewiesen sind. Wir sind nicht alle derselben politischen Meinung, wissen aber, dass der Weg zur Lösung des Nahostproblems nur über offene Diskussionen führen kann. Der Zustand der Besatzung und der seit einem halben Jahrhundert existierende Status quo führen ins Desaster. Eine solche Tagung der intensiven Begegnung hätte eine seltene Gelegenheit zur Diskussion geboten. Bekanntlich ist das in Israel oder in Palästina wegen der politischen Umstände unmöglich.»

Der Historiker macht hinter der Absage Druck der israelischen Regierung aus: «Die Begründung für die Absage der Tagung lässt vermuten, dass sich unsere deutschen Gastgeber an die Haltung der offiziellen israelischen Politik angepasst haben, die die Befürworter des Friedens für illegitim hält. Das betrübt und schockiert uns. Statt von Europa aus die Friedensbemühungen zu unterstützen, wird hier gegenüber den Hardlinern nachgegeben. Wir betrachten das nicht als einen Beitrag zum Frieden, sondern vielmehr als eine Fortsetzung der Konfliktlogik, die schon seit Jahrzehnten zu keinem Ergebnis führt.»

 

Schliesslich bezeichnet das Schreiben die Absage der Veranstaltung als «Verletzung der Meinungsfreiheit von Friedensbewegten aus dem Nahen Osten: Die israelische Besatzungspolitik zu kritisieren und das palästinensische Recht auf nationale Selbstbestimmung zu befürworten, ist nicht mit Antisemitismus gleichzusetzen und somit durch die Meinungsfreiheit geschützt.» [AM]





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