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USA-KINO

Trump-Freund rettet Weinstein-Firma

17. Oktober 2017
In die Missbrauchs-Affäre um den Filmproduzenten Harvey Weinstein schaltet sich nun der Investor Tom Barrack ein. Der 70-Jährige ist ein langjähriger Vertrauter von Donald Trump und bereitet die Übernahme von Weinsteins Firma vor.

Nach der Absetzung Harvey Weinsteins aus der Führung der «Weinstein Company» in der letzten Woche stand das Film-Studio vor dem Bankrott. Wichtige Geschäftspartner wie Apple und Amazon stellten Projekte mit der Firma ein, die nun allein von Bob Weinstein geführt wird, dem jüngeren Bruder Harveys. Doch am gestrigen Montag machte die Weinstein Company eine «umgehende Cash-Infusion» seitens der Investmentfirma «Colony Capital» bekannt (link). Regie bei Colony führt der 70-Jährige Finanzier Tom Barrack. Der Enkel christlich-syrischer Immigranten ist seit drei Jahrzehnten einer der engsten Freunde von Donald Trump. Die «Washington Post» hat den Milliardär jüngst als «Trump Whisperer» portraitiert, der nicht vor unverblümter Kritik an den Hetzparolen des Präsidenten zurückschreckt. Barrack lehnt speziell die Feindseligkeit Trumps gegen Muslime und Immigranten ab (Link).

Die Höhe der finanziellen Unterstützung Barracks für die Weinstein Company wurde bislang nicht bekannt. Aber in New York wird allgemein erwartet, dass Colony das Studio bald vollständig übernehmen wird, um dessen Katalog zu erwerben. Barrack hatte bereits früher Kontakte mit den Weinsteins und verfügt über exzellente Beziehungen nach Saudi Arabien und an die Golf-Scheichtümer. Die Weinstein Company war zwar nicht so erfolgreich wie Miramax, hat aber eine Handvoll Hits wie die Tarantino-Filme «Django Unchained» und «Inglourious Basterds» in die Kinos gebracht.Im Jahr 2010 hat Barrack gemeinsam mit dem Fond von Katar das ursprünglich von den Weinstein-Brüdern gegründete Studio «Miramax» für 660 Millionen von Disney übernommen. Im vergangenen Jahr hat Barrack seine Miramax-Anteile an katarische Investoren verkauft. Womöglich plant er nun ein ähnliches Vorgehen bei der Weinstein Company (Link).

Vor zehn Tagen hatte die «New York Times» enthüllt, dass der prominente Film-Produzent Weinstein über Jahrzehnte routinemässig Frauen zu sexuellen Handlungen gezwungen und bedroht hat (Link). Dabei handelte es sich meist um junge Schauspielerinnen am Beginn ihrer Karriere. Zu Weinsteins Opfern zählen aber auch Studentinnen mit Bühnen-Ambitionen und Angestellte seiner Firmen.Vor einer Woche zog der «New Yorker» mit einer gründlich recherchierten Geschichte nach, in der weitere Schauspielerinnen wie Asia Argento, Mia Sorvino und Rosanna Arquette detailliert über ihre Belästigung durch Weinstein aussagen. Andere Frauen beschrieben Vergewaltigungen durch den mächtigen Produzenten und eine langjährige Traumatisierung als Folge (Link). [AM]





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